MAKRO-BRIEFING – 11. March 2026
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OPENING SNAPSHOT (Stand ~14:47 MEZ)
| Markt | Stand | Δ Tag |
|---|---|---|
| Nasdaq 100 (NQ) | 25,083.00 | -0.14% |
| S&P 500 (ES) | 6,794.25 | -0.40% |
| DAX | 23,669 | -1.12% |
| Euro Stoxx 50 | 5,786 | -0.77% |
| SMI | 12,947 | -0.83% |
| Nikkei 225 | 54,740.00 | -1.79% |
| Brent Crude | 86.49 $/bbl | +2.61% |
| WTI | 85.10 $/bbl | +2.72% |
| Gold | 5,179.40 $/oz | -0.61% |
| Natural Gas | 3.1020 | +2.65% |
| US 10Y Yield | 4.185% | +5bp |
| US 5Y Yield | 3.762% | +5bp |
| EUR/USD | 1.1583 | -0.27% |
| EUR/CHF | 0.9028 | -0.13% |
| USD/CHF | 0.7797 | +0.14% |
| DXY | 99.14 | +0.36% |
Aktien in allen Regionen schwaecher (Nikkei -1.8%, DAX -1.1%, S&P 500 -0.4%), Oel deutlich fester (Brent +2.6% auf 86.49 USD), US 10Y Yields +5bp auf 4.185%, Gold -0.6% auf 5179 USD, DXY +0.4% auf 99.14.
SYNTHESE
Der zentrale Treiber ist die Kombination aus geopolitischem Oelpreis-Schock durch den Iran-Konflikt und einem sich abschwachenden US-Arbeitsmarkt. Die Februar-Payrolls zeigten einen Verlust von 92'000 Stellen gegenueber einer Erwartung von +60'000 — der erste negative Print seit laengerem. Gleichzeitig handelt Brent ueber 86 USD, ein Anstieg von rund 25% gegenueber dem Vorjahr, was die Inflationserwartungen stuetzt und den Spielraum der Fed fuer Zinssenkungen einengt. Heute um 14:30 MEZ wird der US CPI fuer Februar veroeffentlicht — der Konsens erwartet eine Fortsetzung der Disinflation, aber der Oelpreis-Anstieg koennte fuer eine Ueberraschung nach oben sorgen. Die Maerkte preisen derzeit keine Zinssenkung am 18. Maerz ein (Fed Funds Futures bei 96.425 fuer Juni, implizit ~3.575%).
Gegennarrativ: Mohamed El-Erian warnt explizit vor Stagflation, sollte der Iran-Konflikt anhalten und sich auf die Strasse von Hormuz ausweiten. Jim Bianco argumentiert aehnlich: Die Wirtschaft sei grundsaetzlich robust mit 3% Kerninflation, was hoehere Zinsen erzwinge — ein Szenario, das weder in den Aktien- noch in den Anleihenmaerkten ausreichend eingepreist sei. Das Risiko ist substantiell, da ein anhaltender Oelpreis ueber 90 USD sowohl die Konsumnachfrage als auch die Margenstruktur belasten wuerde.
Institutionelle Positionierung (6M-Horizont): Goldman Sachs und JPMorgan bleiben konstruktiv fuer Aktien, insbesondere US-Titel mit AI-Exposure, sehen aber niedrigere Index-Returns als 2025. BlackRock haelt an einer Risk-On-Positionierung fest, betont aber zunehmende Selektivitaet. Morgan Stanley erwartet moderate Wachstumsraten mit Verwundbarkeiten. Konsens ist Uebergewichtung US-Equities, Untergewichtung europaeischer Zykliker, und eine vorsichtige Haltung gegenueber EM-Lokalwaehrungs-Anleihen angesichts des staerkeren USD.
Key Risk / Falsifikator: Ein CPI-Print heute deutlich ueber Konsens (insbesondere Kern-CPI >0.3% MoM) wuerde die Disinflations-These beschaedigen und koennte eine Neubewertung der Fed-Pfad-Erwartungen ausloesen. Umgekehrt wuerde eine Deeskalation im Iran (Waffenstillstand, Aufhebung der Hormuz-Risikopraemie) den Oelpreis um 10-15 USD druecken und das Stagflations-Szenario entkraeften.
INSTITUTIONELLE QUELLEN (GS / MS / JPM / BlackRock)
Goldman Sachs
GS erwartet globales BIP-Wachstum von 2.8% in 2026, deutlich ueber dem Konsens von 2.5%. Die USA sollen mit 2.6% outperformen (Konsens 2.0%), getrieben durch nachlassenden Tariff-Drag, Steuersenkungen und lockerere Finanzierungsbedingungen. GS bleibt konstruktiv fuer Aktien bei weiter wachsenden Gewinnen, erwartet aber niedrigere Indexrenditen als 2025 in einem sich verbreiternden Bullenmarkt. Die Basisannahme umfasst 50bp weitere Fed-Cuts im Jahresverlauf.
Quelle: Goldman Sachs Research, 2026 Outlooks / Macro Outlook 2026
Morgan Stanley
MS prognostiziert moderate US-Wachstumsraten, primaer getragen von Konsumausgaben und AI-Investitionen. Global wird das Wachstum als langsamer eingeschaetzt als in den Vorjahren. Die Inflation soll sich weiter abkuehlen, wobei MS auf potenzielle Verwundbarkeiten an den Maerkten hinweist. Die Asset-Allokation favorisiert US-Aktien und Risk Assets generell, mit Selektivitaet bei Regionen und Sektoren.
Quelle: Morgan Stanley, 2026 Global Outlook / Global Economic Outlook 2026
JPMorgan
JPM ist bullish fuer 2026, gestuetzt auf robustes Gewinnwachstum, niedrigere Zinsen und nachlassende Policy-Headwinds sowie den AI-Ausbau. Die Bank bleibt bearish auf den US-Dollar und erwartet, dass China anfangs outperformt. Ein moeglicher Marktruecksetzer wird als gesund fuer den laengerfristigen Trend eingestuft. Uebergewichtung Equities, insbesondere mit Tech/AI-Exposure.
Quelle: J.P. Morgan Global Research, 2026 Market Outlook
BlackRock
BlackRock sieht AI-Capex als zentralen Wachstumstreiber 2026, wobei der Investitionsbeitrag zum US-BIP das Dreifache des historischen Durchschnitts betragen soll. Die Positionierung bleibt Risk-On mit Uebergewichtung US-Aktien entlang des AI-Themas, wird aber zunehmend selektiver. BlackRock erwartet ein globales Wachstum ueber dem langfristigen Trend bei graduell lockerer werdender Geldpolitik. Mega Forces (AI, Deglobalisierung, demografischer Wandel) bleiben die strukturellen Investmentthemen.
Quelle: BlackRock Investment Institute, 2026 Investment Outlook
OFFIZIELLE QUELLEN
Monetary Policy | North America
Die Fed haelt die Fed Funds Rate seit Januar 2026 unveraendert bei 3.50%-3.75%, nach drei aufeinanderfolgenden Senkungen Ende 2025. Der FOMC-Entscheid am 18. Maerz wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut ein Hold sein. Fed Funds Futures (Juni 2026: 96.425) implizieren einen effektiven Satz von ~3.575%, was eine moegliche Senkung im Sommer einpreist. Der heutige CPI-Print ist entscheidend fuer die Kalibrierung der Markterwartungen.
Quelle: Federal Reserve, Trading Economics, CME Group FedWatch, Maerz 2026
Monetary Policy | Europe
Die EZB hat am 5. Februar 2026 ihre Leitzinsen beibehalten. Prediction Markets zeigen gespaltene Erwartungen: 170k USD Volumen auf 50+bp Senkung versus 160k USD auf keine Aenderung fuer den Maerz-Entscheid. Die naechste EZB-Sitzung wird vor dem Hintergrund einer Eurozone-Wachstumsprognose von 1.3% (EY Forecast) und neutraler Fiskalpolitik stattfinden.
Quelle: EZB Monetary Policy Decisions, 05.02.2026; EY European Economic Outlook, Maerz 2026
Monetary Policy | Europe (Schweiz)
Die SNB haelt den Leitzins bei 0%, nachdem sie die Zinsen im Verlauf von 2025 sukzessive gesenkt hatte. Die Inflationsprognose bleibt bei 0.8% am Endpunkt, was die SNB als ausreichend stimulierend einstuft. Der naechste Zinsentscheid steht im Maerz an. EUR/CHF bei 0.9028 signalisiert anhaltende Frankenstaerke.
Quelle: SNB, Morningstar, Maerz 2026
Labor & Society | North America
Die US-Wirtschaft verlor im Februar 92'000 Stellen — eine massive Verfehlung gegenueber dem Konsens von +60'000. Vorangegangene Monate wurden nach unten revidiert. Besonders auffaellig: der Gesundheitssektor verlor 28'000 Stellen, ein Sektor der bisher konsistent zugelegt hatte. Dies ist der staerkste Arbeitsmarkt-Rueckschlag seit Beginn des aktuellen Zyklus und erhoeht den Druck auf die Fed, frueher zu senken — sofern die Inflation dies zulaesst.
Quelle: BLS Employment Situation Report, Maerz 2026; NBC News, Staffing Industry Analysts
Supply & Demand | Global (Energie)
Brent handelt bei 86.49 USD (+2.6% Tagesveraenderung), WTI bei 85.10 USD. Der Oelpreis ist im Monatsvergleich um ueber 35% gestiegen, primaer getrieben durch den Iran-Konflikt und Hormuz-Risikopraemien. Die IEA hat den groessten Oelreserve-Release der Geschichte vorgeschlagen, was den Preis intraday von circa 90 USD drueckte. Erdgas stieg parallel um 2.65%. Die Energiepreise sind derzeit der zentrale Transmissionskanal fuer geopolitisches Risiko in die Inflationsdaten.
Quelle: IEA, Fortune, Times of India, 10.-11. Maerz 2026
Business Cycle | Europe
EY prognostiziert fuer die Eurozone ein durchschnittliches jaehrliches BIP-Wachstum von 1.3% (2025-2029). Deutschland bleibt mit 0.8% Schlusslicht, Spanien fuehrt mit 2.6%. Die Fiskalpolitik in der Eurozone wird als neutral eingestuft. Das britische OBR hat einen aktualisierten Fiscal Outlook veroeffentlicht, dessen Detailanalyse noch aussteht.
Quelle: EY European Economic Outlook, Maerz 2026; OBR Economic and Fiscal Outlook, Maerz 2026
Business Cycle | Schweiz
Der KOF Business Situation Indicator zeigt im Februar eine weitgehend stabile Lage der Schweizer Privatwirtschaft, mit dem Barometer auf dem hoechsten Stand seit August 2024. Die Industrie verlangsamte den Anstieg leicht. Konsum und Auslandsnachfrage bleiben positiv. SwissInfo verweist auf Abwaertsrisiken durch US-Importzoelle, die trotz Anpassung weiterhin belasten.
Quelle: KOF/ETH Zuerich, Maerz 2026; SwissInfo
Business Cycle | Emerging Markets (China)
China hat ein BIP-Wachstumsziel von 4.5-5.0% fuer 2026 gesetzt, ein leichtes Downgrade gegenueber 2025. Der Fokus liegt auf Binnennachfrage und effizienteren Fiskalausgaben. ING-Analysten bewerten das Ziel als konservativ mit Spielraum fuer Uebererfuellung. Der IMF erwartet EM-Wachstum stabil ueber 4.0% in 2026/2027, mit einer Aufwaertsrevision fuer China dank Stimulus und US-China Trade Truce.
Quelle: Reuters, Investing.com, Bloomberg, IMF, Maerz 2026
Capital Investment | North America
Die vier grossen Hyperscaler (Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta) planen 2026 rund 650 Mrd USD an AI-Investitionen. Amazon allein kuendigte 200 Mrd USD Capex an. Bridgewater bestaetigt diese Groessenordnung. Dieser Investitionszyklus stuetzt das US-BIP-Wachstum signifikant und erklaert die Outperformance von US-Equities gegenueber anderen Regionen.
Quelle: Yahoo Finance, Reuters/Bridgewater, Februar 2026
Regulation, Taxes & Politics | North America
Der US Supreme Court entschied am 20. Februar 2026 mit 6:3, dass IEEPA keine Ermaechtigungsgrundlage fuer Zoelle darstellt. Trump aktivierte umgehend Section 122 des Trade Act of 1974, die temporaere Globalzoelle fuer 150 Tage erlaubt. Die USTR Trade Policy Agenda 2026 umfasst sechs Kernbereiche, darunter das Agreement on Reciprocal Trade (ART), Supply-Chain-Sicherung und Critical Minerals. Die rechtliche und politische Unsicherheit um die US-Handelspolitik bleibt erhoeht.
Quelle: Hinrich Foundation, USTR 2026 Trade Policy Agenda
Stabil / kein Signal: Debt | Europe, Debt | North America (Spreads stabil laut Moody's/S&P), Technology & Productivity | Europe, Labor & Society | Europe, Labor & Society | EM
SOCIAL / KOMMENTATOREN (Kontrast- und Signalquellen)
Mohamed El-Erian
El-Erian warnt explizit vor Stagflation, sollte der Iran-Konflikt laenger andauern oder sich ausweiten. Er identifiziert drei weitere Risiken neben dem Krieg: persistente Inflation, fiskalische Unsicherheit und geopolitische Fragmentierung. Dies steht im Kontrast zum GS/JPM-Basisszenario von "sturdy growth" und ist relevant, weil der Oelpreis-Anstieg bereits die disinflationaere Tendenz untergaebt.
Quelle: Fortune, Business Insider, Maerz 2026
Jim Bianco (Bianco Research)
Bianco argumentiert, dass der groesste Risikofaktor 2026 nicht eine Rezession, sondern eine zu robuste Wirtschaft mit 3% Kerninflation sei, die deutlich hoehere Zinsen erzwinge als derzeit eingepreist. Er sieht PCE und CPI divergieren und warnt vor einem "Rate Shock". Zu Iran: Ein kurzer Krieg koennte eine scharfe Erholung ausloesen, aber selbst dann bleiben die Zinsen hoeher. Die CoT-Daten zeigen, dass Spekulanten ihre Treasury-Short-Positionen seit September reduziert haben — ein Signal fuer abnehmenden Baerenkonsens bei Anleihen.
Quelle: Bianco Research, CNBC, Wealthion, 9.-10. Maerz 2026
Alfonso Peccatiello (Palinuro Capital)
Peccatiello identifiziert den "Top Macro Trade 2026" als eine Positionierung entlang der globalen Liquiditaetsausweitung, basierend auf einer Morgan-Stanley-Studie zur tatsaechlichen Allokation institutioneller Anleger. Sein proprietaerer Global Money Printing Tracker zeigt fuer 2026 den staerksten Liquiditaetsimpuls seit 2020. Dies stuetzt die Risk-On-These der grossen Haeuser, steht aber im Spannungsfeld mit dem gleichzeitigen Inflationsrisiko durch Energie.
Quelle: LinkedIn, Maerz 2026
Andreas Steno Larsen (Steno Research)
Steno und Co-Host Rosenvold fokussieren ihre Analyse auf die Iran-Kriegs-Dynamik und deren Transmission auf Oelmaerkte und die Strasse von Hormuz. Die Macro-Monday-Sessions der letzten Wochen waren dominiert von geopolitischer Risikoanalyse. Relevant als Echtzeit-Kommentar zur Frage, ob die Oelpraemie temporaer oder strukturell ist — eine Unterscheidung, die fuer die Inflations- und Zinsprognose zentral ist.
Quelle: YouTube/Steno Research, 2.-16. Maerz 2026